Impuls

Kita in
der Sächsischen Schweiz

»Der Bau der neuen Kita ist ein Beitrag zur sozialgeographischen Nachhaltigkeit, der gerade im ländlichen Raum eine große Bedeutung zukommt.«
Elke Szczesny, Projektleiterin
Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten
 

Kontext

An Orten wie Gohrisch-Papstdorf in der Sächsischen Schweiz gehen die Weite und Anmut einer idyllischen Landschaft mit Problemen wie Strukturschwäche und einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung einher. Die demographischen Tendenzen weisen in Richtung Landflucht und die wenigen zur Verfügung stehenden Gelder werden meist in bereits marode gewordene Infrastrukturen investiert. Die Entscheidung für den Bau einer Kindertagesstätte setzt diesen Problemen eine Investition in die Zukunft der Gemeinde entgegen. Durch den ambitionierten Einsatz des Bürgermeisters und das gemeinsame Engagement von Bürgerinnen und Eltern, Erzieherinnen und dem Deutschen Kinderschutzbund aus Radebeul als Träger, konnte ein Bauvorhaben umgesetzt werden, das so manch einer als Anachronismus in den gegenwärtig ausdünnenden Landstrichen verstand.

Die im Juni 2019 eröffnete Kita »Felsenzwerge« ist ein Impuls mit sozialen Implikationen, die über die ästhetische und funktionale Dimension von Architektur hinausreichen. Sie ist ein Symbol für das optimistische Engagement einer Gemeinde und der Beweis, dass man etwas bewegen kann, wenn man zusammensteht. Sie ist eine Investition in die Zukunft der Kinder aus Gohrisch und damit eine Investition in die Zukunft des Ortes selbst. Die bis zum Jahr 2022 ausgebuchten Kitaplätze scheinen dieser Vision Rechnung zu tragen.

Bild von der Umgebung der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf

Der Ort Papstdorf liegt auf einer Hochebene am Fuß des Tafelberges Papststein. Die landschaftlich reizvolle Umgebung bildet den ästhetischen und konzeptionellen Rahmen für den Neubau der Kindertagesstätte.

Konzept

Kindergärten sind Orte, an denen Kinder lernen, sich in sozialen Gefügen zu bewegen. Dies erfordert einerseits klare Strukturen und andererseits Freiräume zum Entdecken und Erleben. Die dynamische Struktur des Gebäudes zielt darauf ab, Ruhezonen zu schaffen und gleichzeitig genügend Raum für einen lebendigen Austausch zu bieten. Die zwei miteinander verschränkten Gebäudeteile der Kindertagesstätte beherbergen einen Kindergarten und eine Krippe, die durch einen gemeinsamen Bereich in der Mitte verbunden sind. Die konisch zulaufenden Flure der zwei Flügel öffnen sich zu dieser Mitte hin, während die hinteren Räume als ruhigere Rückzugsorte konzipiert sind.

»Hier sieht man nicht nur die Sonne sondern auch den Regen. Und den kann man hier sogar hören, im Flur in der Garderobe, das ist toll«
Luis, 6 Jahre alt
 

Architektur

Ein Charakteristikum des Gebäudes ist die landschaftssensible Gestaltung, die sich zurückhaltend in den Naturraum des Papstberges einfügt. Durch bodentiefe Fensterfronten schafft das Gebäude einen Bezug zu der umliegenden Landschaft und zwei großzügige Oberlichter in den Flurbereichen sorgen für eine natürliche Lichtatmosphäre. Auch die beweglichen Fassadenelemente greifen mit ihrer gelb-orange-grünen Farbgebung die Umgebungsästhetik auf.

Die Qualität eines Gebäudes entscheidet sich nicht nur über sein Gestaltung und seine Funktionaliät, sondern auch in Bezug auf die in ihm verwendeten Baumaterialien. Häuser verbrauchen große Mengen an Rohstoffen, hinzu kommt ihr individueller, nutzungsspezifischer Energiebedarf. Die Kita »Felsenzwerge« besteht aus Dämmziegelwänden, die eine hohe Wärmestabilität innerhalb des Gebäudes gewährleisten, und auch die anderen Baumaterialien sind weitestgehend nachhaltig und schadstoffarm. So fügt sich das Gebäude verantwortungsbewusst in die sozialen, politischen und ökologischen Umstände ein, in denen es geplant und gebaut wurde – als ein Ort, von dem eine starke Signalwirkung für die Bevölkerung in Gohrisch-Papstdorf und der Sächsischen Schweiz ausgeht.

Nahansicht des nordöstlichen Gebäudeflügels der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf
Frontalansicht der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf
Eingangsbereich der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf
Innenraum der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf
Innenraum der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf
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»Die eingeschossige, offen gestaltete Kindertagesstätte macht sich als Gebäude nicht wichtig und nimmt seine Umgebung in sich auf – sowohl in Bezug auf seine Gestaltung als auch in puncto Nachhaltigkeit.«
Thomas Heinle, Architekt

Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten
Visualisierung der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf, Gebäudequerschnitt

Gebäudequerschnitt des Krippenflügels auf der Westseite der Kindertagesstätte. Die konische Form des Flügels öffnet das Gebäude zu seiner Mitte hin.

Visualisierung der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf, Grundriss

Auch der Grundriss des Gebäudes greift die horizontale Öffnung der Flure vertikal auf. Die Verschränkung der beiden Gebäudeteile sorgt für eine dynamische Raumstruktur, die sich optimal an die multiplen Bedürfnisse der Kinderbetreuung anpasst.

Visualisierung der Kindertagesstätte »Felsenzwerge« in Gohrisch-Papstdorf, Lageplan

Der Lageplan zeigt das Gebäude in seinem stadtplanerischen Kontext. Die Kindertagesstätte liegt, zusammen mit der im Nordosten gelegenen Grundschule, auf einem Plateau. Durch die Nähe zu der Schule wird die Kita »Felsenzwerge« in einen nachhaltigen geosozialen Zusammenhang gebracht.

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